- 11. Februar ist internationaler Aktionstag für Mädchen und Frauen in der Forschung
- Frauen in MINT-Fächern sowie Wissenschaftsberufen nach wie vor unterrepräsentiert
- Abbau von Rollenbildern und Stärkung wissenschaftlicher Förderungen im Fokus
- Aus der Praxis: Nina Lorenzoni forscht zu Aufklärung über Endometriose
Bereits zum zehnten Mal findet am 11. Februar der Internationale Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft statt. Der von den Vereinten Nationen ins Leben gerufene Aktionstag macht auf die Bedeutung von Frauen und Mädchen in der Wissenschaft aufmerksam und setzt sich für Chancengleichheit ein: Nach wie vor sind Frauen und Mädchen in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) wie auch später in – vor allem höheren – Wissenschaftsberufen unterrepräsentiert. Laut UNESCO beträgt der weltweite Anteil von Frauen in der Forschungs- und Entwicklungsarbeit weniger als 30 Prozent. Der Frauenanteil an Tirols Hochschulen ist in der untenstehenden Fact Box einzusehen.
„Die Wissenschaft lebt von Vielfalt und Innovation. Eine höhere Beteiligung von Mädchen und Frauen bringt unsere Gesellschaft als Ganzes voran – Gleichstellung ist ein entscheidender Motor für Fortschritt. Wir müssen daher weiterhin sensibilisieren und ein Bewusstsein für Geschlechtergerechtigkeit schaffen, strukturelle Hürden weiter abbauen und Mädchen und Frauen auch künftig gezielt unterstützen“, sind sich Frauenlandesrätin Eva Pawlata und Wissenschaftslandesrätin Cornelia Hagele einig.
Rollenbilder aufbrechen
„Frauen in der Wissenschaft sind mit zahlreichen Hürden konfrontiert. Das beginnt bei Rollenbildern, die vorgeben, wie Männer und Frauen sich verhalten sollten. Diese wirken sich vielfach auf die Ausbildungs- und Berufswahl junger Menschen aus“, sagt LRin Pawlata. Um junge Frauen für die Bandbreite an MINT-Berufen, aber auch an handwerklichen Berufen, zu sensibilisieren, gibt es seit über 20 Jahren den Girls‘ Day Tirol. Er findet heuer am 24. April statt und bietet Schülerinnen die Möglichkeit, neue Fähigkeiten und Interessen sowie Berufswege abseits traditioneller Rollenbilder zu entdecken.
Mut machen, sich für Gleichstellung und Chancengleichheit einzusetzen, und Vorbilder würdigen, soll der Tiroler Frauenpreis. Er wird heuer zum zweiten Mal vergeben und zeichnet Frauen oder Projekte aus, die Ungleichheiten aufzeigen, Geschlechterstereotype hinterfragen und die Erfahrungen und Perspektiven von Frauen in den Mittelpunkt rücken.
Mehr Frauen in die Forschung
„Mädchen und Frauen verfügen über ein großes Potential, auf das wir in der Forschung nicht verzichten dürfen. Es gilt daher, sie für den Einstieg in die Wissenschaft zu ermutigen und sie auf ihrem Weg zu fördern, wie es etwa seitens des Landes über die Wissenschaftsförderungen geschieht“, so LRin Hagele.
Im Rahmen der Tiroler Wissenschaftsförderung werden Vorhaben gefördert, die zur Stärkung des Wissenschafts- und Forschungsstandortes Tirol beitragen und diesen auf die Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte vorbereiten. Mit der Tiroler NachwuchsforscherInnenförderung werden darüber hinaus gezielt junge WissenschaftlerInnen unterstützt. Im Rahmen der Ausschreibung 2024 werden 54 Projekte an acht Tiroler Hochschulen mit insgesamt 1,1 Millionen Euro gefördert. Die aktuelle Ausschreibung läuft bis einschließlich 15. März 2025. Mehr Informationen zu den einzelnen Förderungen im Bereich Wissenschaft finden sich auf der Website des Landes.
Praxisbeispiel Endometriose-Aufklärung in Schulen
Eines der Projekte, das im Rahmen der Tiroler NachwuchsforscherInnenförderung unterstützt wird, stammt von Dr.in Nina Lorenzoni, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Department für Public Health, Versorgungsforschung und Health Technology Assessment (HTA) an der Privatuniversität UMIT TIROL. Das Projekt widmet sich der Aufklärung über Endometriose, eine chronische Erkrankung, von der weltweit etwa zehn Prozent der Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter betroffen sind. Sie verursacht starke Schmerzen und führt oft zu erheblichen Einbußen an Lebensqualität. Aufgrund der vielfältigen Symptome und weil Betroffene oft nur wenig über die Krankheit wissen, erfolgt die Diagnose häufig sehr spät – oft erst nach bis zu zehn Jahren. Ziel des Forschungsprojekts von Lorenzoni ist es, durch Workshops mit Lehrpersonen effektive Strategien zur Aufklärung, Sensibilisierung und Entstigmatisierung von Endometriose und Menstruationsgesundheit zu entwickeln.
In einem zweiten Schritt sollen in co-kreativen Workshops mit Jugendlichen deren Perspektiven und Ideen eingebunden werden. So sollen die Aufklärungsinitiativen gezielt an die Bedürfnisse der Jugendlichen angepasst und langfristig in die Endometriose-Aufklärung in Schulen integriert werden.
Fact Box: Frauenanteil an Tirols Hochschulen
- Fachhochschule Kufstein Tirol
Anteil Frauen Wissenschaft gesamt: 40 Prozent
Anteil Frauen Lehr- und Forschungspersonal: 33,3 Prozent
- fhg – Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol
Anteil Frauen Wissenschaft gesamt: 76 Prozent
Anteil Frauen Professuren: 100 Prozent
- Kirchliche Pädagogische Hochschule Edith Stein
Anteil Frauen Wissenschaft gesamt: 60 Prozent
Anteil Frauen Professuren: 58,3 Prozent
Anteil Frauen Lehrende: 64,4 Prozent
- MCI | Die Unternehmerische Hochschule
Anteil Frauen Wissenschaft gesamt: 42 Prozent
Anteil Frauen Professuren: 37 Prozent
Anteil Frauen Lehrende: 38 Prozent
- Medizinische Universität Innsbruck
Anteil Frauen Wissenschaft gesamt: 50,4 Prozent
Anteil Frauen Professuren: 33 Prozent
Anteil Frauen Lehrende: 45 Prozent
- Pädagogische Hochschule Tirol
Anteil Frauen MitarbeiterInnen gesamt: 61 Prozent
Anteil Frauen Wissenschaft: 55 Prozent
Anteil Frauen Professuren: 56 Prozent
- Privatuniversität UMIT TIROL
Anteil Frauen Wissenschaft gesamt: 46,55 Prozent (davon 59,26 Prozent mit Lehrdeputat)
Anteil Frauen Professuren: 32,14 Prozent
Anteil Frauen wissenschaftliche MitarbeiterInnen: 44,65 Prozent
- Universität Innsbruck
Anteil Frauen Wissenschaft gesamt: 45,3 Prozent
Anteil Frauen Professuren: 30,5 Prozent
Anteil Frauen Lehrende: 42,7 Prozent