Tirol 2050: Fernwärme-Anschluss – neue „Landkarte“ zeigt Verfügbarkeit und Energieträger

Fast die Hälfte der in Tirol benötigten Energie wird für den Gebäudebereich, insbesondere zum Heizen verwendet.

Fast die Hälfte der in Tirol benötigten Energie wird für den Gebäudebereich, insbesondere zum Heizen verwendet. Ein zentraler Faktor für den Umstieg auf eine Energieversorgung aus heimischen und nachwachsenden Rohstoffen ist die Transformation des Gebäudesektors. Eine tragende Rolle spielt dabei die Fernwärme. 2023 wurden in Tirol bereits circa 23.000 Haushalte mit über 1.200 GWh Fernwärme versorgt, Tendenz steigend. 

„Bereits seit 2022 bietet das Tiroler Rauminformationssystem des Landes Tirol eine Landkarte über Standorte von Wärmeerzeugungsanlagen sowie deren Versorgungsgebiete. Die aktualisierte Version zeigt nun erstmals auch, welche Energieträger für die Erzeugung eingesetzt wurden. Damit bieten wir einen noch besseren Überblick über die Möglichkeit eines Fernwärme-Anschlusses“, informiert LHStv Josef Geisler. Insgesamt gab es 2023 in Tirol 112 Wärmeerzeugungsanlagen mit mindestens vier angeschlossenen Gebäuden, die circa 23.000 Haushalte mit Wärme versorgen. Laut Energiemonitoring lag der Anteil der erneuerbaren Fernwärme in Tirol im Jahr 2023 bei 92 Prozent. Die aktuelle Auswertung der erhobenen Fernwärmenetze lag mit 96 Prozent leicht über diesem Wert. 

Biomasse als Hauptlieferant für Tirols Fernwärme

Mit 82 Prozent wird der Großteil der erhobenen Fernwärmenetze in Tirol mit Biomasse wie Hackschnitzel, Holz oder Pellets gespeist. Durch die Nutzung von industrieller Abwärme wird zuvor ungenutzte Energie dem Fernwärmenetz zugeführt und trägt somit zu zehn Prozent zum Fernwärmemix bei, gefolgt von vier Prozent sonstigen erneuerbaren Energieträgern. Fossile Energieträger kommen hingegen nur noch in vier Prozent der erhobenen Fernwärmenetze als Primärenergieträger zum Einsatz. „Fernwärme trägt damit maßgeblich zum Erreichen der Ziele von TIROL 2050 energieautonom bei und zeigt nicht nur, dass eine Energieversorgung aus heimischen und erneuerbaren Ressourcen möglich ist, sondern auch wohin der Weg im Gebäudesektor gehen kann,“ ist Rupert Ebenbichler, Geschäftsführer der Energieagentur Tirol, überzeugt. Zu den maßgeblichen Vorteilen der Fernwärme für VerbraucherInnen zählen unter anderem die geringen Investitionskosten. In den meisten Fällen ist kein eigenes Gerät notwendig, was gerade bei Gebäuden mit geringem Platzangebot ein entscheidender Faktor sein kann. Auch Wartung und Reparaturen sind zentralisiert und liegen somit bei den Betreibenden, sodass auf VerbraucherInnenseite keine weiteren Kosten entstehen. Durch die regelmäßige Überprüfung haben Fernwärmenetze außerdem eine hohe Ausfallsicherheit. Steht ein Anschluss an ein Fernwärmenetz zur Verfügung, ist sie für nahezu jedes Gebäude geeignet. Und auch für die Umwelt bieten Fernwärmenetze entscheidende Vorteile. Durch die zentralisierte Wärmeerzeugung sind nicht nur die Emissionen gebündelt, die Anlagen unterliegen auch höheren Anforderungen an den Ausstoß von CO2 und anderen Abgasen. Auch nach Wegfall der Bundesförderung gibt es weiterhin attraktive Fördermöglichkeiten beim Heizungstausch. Das Land Tirol fördert Fernwärmeanschlüsse aus erneuerbaren Quellen mit bis zu 30 Prozent der förderbaren Kosten. Nähere Informationen dazu finden sich auf der Website des Landes.

Überblick Fernwärmeanschlüsse in Tirol

Um herauszufinden, ob ein Fernwärmeanschluss in der Nähe des eigenen Zuhauses verfügbar ist, können Interessierte sich unter maps.tirol.gv.at einen Überblick über bereits errichtete Fernwärmenetze in Tirol verschaffen. Der sogenannte „Wärmenetzkataster“ im „tirisMaps“ gibt einen transparenten Überblick darüber, welche Betriebe Fernwärme erzeugen und in welchen Gebieten diese genutzt werden kann. Unter dem Reiter „Energie“ ist jederzeit ersichtlich, ob sich das eigene Zuhause im Anschlussgebiet befindet und an welche BetreiberIn sich Interessierte wenden können. Neu ist die erstmals gut ersichtliche Untergliederung nach eingesetzten Energieträgern, die für die Erzeugung verwendet werden und die mit unterschiedlichen Symbolen dargestellt sind. So lässt sich mit wenigen Klicks nicht nur herausfinden, ob ein Fernwärmeanschluss verfügbar ist, sondern auch, mit welchem Energieträger dieser gespeist wird und ob dieser im besten Fall mit erneuerbaren Energieträgern betrieben wird.

Mit Fernwärme die Zukunft gestalten

Mit TIROL 2050 energieautonom hat Tirol ein klares Ziel: Bis 2050 soll der gesamte Energiebedarf im Jahressaldo vollständig aus heimischen und erneuerbaren Energieträgern gedeckt werden. Ziel ist es nicht nur unabhängig von Energieimporten zu werden, sondern auch rund zwei Milliarden Euro regionale Wertschöpfung zurück nach Tirol zu holen. Die Fernwärme ist ein essenzieller Baustein in diesem Prozess und bereits heute von großer Bedeutung. Bis 2050 soll ihr Anteil weiter konsequent ausgebaut werden. Neben klassischen Wärmenetzen wie der Fernwärme gewinnen auch kalte Netze, sogenannte Anenergienetze, zunehmend an Relevanz. Sie verteilen nicht temperiertes Wasser, das von den angeschlossenen Gebäuden dezentral mithilfe von Wärmepumpen zur Wärmeerzeugung genutzt wird. 

Um den Wärmebedarf in Tirol in Zukunft besser abschätzen zu können, wurde die Wärmedichtekarte Tirol ebenfalls aktualisiert. Sie stellt den Wärmebedarf der Tiroler Gebäude grafisch dar und hat dank einer verbesserten Berechnungsmethode deutlich an Aussagekraft gewonnen. Durch das Einbeziehen von aktuellen Daten aus dem Adress-, Gebäude- und Wohnungsregister (AGWR) sowie der Energieausweisdatenbank konnte die Verteilung des Wärmebedarfs so genau wie nie zuvor abgeschätzt werden. Sowohl der Wärmenetzkataster als auch die Wärmedichtekarte liefern wertvolle Hinweise für die zukünftige kommunale Wärmeplanung und können für die Konzeption von Nahwärme-, Fernwärme- und Anenergienetzen eingesetzt werden.