Herdenschutz

Wölfe jagen bevorzugt Schalenwild. Dennoch gehören auch Nutztiere, insbesondere Schafe, zu den potenziellen Beutetieren. Das trifft vor allem dann zu, wenn Wölfe und andere große Beutegreifer auf ungeschützte Herden treffen. Sofern die Umsetzbarkeit gegeben ist, kann diesem Problem durch die gezielte Anwendung von Herdenschutzmaßnahmen wirksam begegnet werden. Zwar ist kein 100-prozentiger Schutz möglich, doch kann die Wahrscheinlichkeit von Nutztierrissen deutlich verringert werden. Das Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs erläutert die verschiedenen, möglichen Schutzmaßnahmen unter https://baer-wolf-luchs.at/herdenschutz/.
Die Präsenz großer Beutegreifer erfordert Anpassungen in der Zäunung. Bisher war es auf den Heimweiden ausreichend, die Tiere innerhalb des Zauns zu halten. Um jedoch einen effektiven Schutz vor großen Beutegreifern zu gewährleisten, muss der Zaun zudem so gestaltet sein, dass er Raubtiere am Eindringen hindert. Der Einsatz von elektrifizierten Herdenschutzzäunen ist in den meisten Fällen eine gut umsetzbare Möglichkeit auf Heimweiden.
In vielen Ländern werden Herdenschutzhunde seit Jahrtausenden erfolgreich zum Schutz von Nutztieren vor großen Beutegreifern gezüchtet und eingesetzt. Auch im Alpenraum z. B. in der Schweiz, in Frankreich und Italien hat sich die Verwendung von Herdenschutzhunden seit vielen Jahren bewährt, um Herden vor großen Beutegreifern zu schützen. Diese Hunde arbeiten eigenständig, leben in der Herde und sind in der Lage, Raubtiere wirkungsvoll abzuwehren. Die Haltung von Herdenschutzhunden, insbesondere außerhalb der Weidesaison, stellt jedoch eine besondere Herausforderung dar und sollte daher gut durchdacht sein. Das Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs, das die Zertifizierung von Herdenschutzhunden durchführt, sowie die Schweizer Organisation AGRIDEA bieten umfassende Informationen zu diesem Thema. Im Flyer „Herdenschutzhunde bei der Arbeit“ sind praktische Hinweise enthalten, wie sich Wanderer bei Begegnungen mit Herdenschutzhunden verhalten sollten.
Ungleich schwieriger gestaltet sich der Herdenschutz auf Almen. Eine großflächige, wolfabweisende Einzäunung ist weder machbar noch sinnvoll. Eine Variante wäre die Umstellung der Bewirtschaftung auf eine dauerhafte Behirtung mit gelenkter Weideführung und Herdenschutz in sicheren Übernachtungsplätzen. Allerdings ist diese Form der Almhaltung mit einem beträchtlichen Mehraufwand verbunden und auf vielen Almen nicht umsetzbar. In der Unterlage "Grundsätze und Rahmenbedingungen von gelenkter Weideführung und Herdenschutz auf Schafalmen" sind die dafür erforderlichen Voraussetzungen und Maßnahmen erläutert. Bei den Herdenschutz-Pilotalmprojekten des Landes Tirol werden praktische Erfahrungen in der Bewirtschaftungsumstellung auf Behirtung mit gelenkter Weideführung und Herdenschutzmaßnahmen mittels gesicherten Übernachtungsplätzen und Herdenschutzhunden gesammelt.
Machbarkeitsstudie Herdenschutz Tirol
Im Sommer 2019 führten die AGRIDEA und das Büro Alpe auf vier Tiroler Schafalmen und einer Vorweide eine Machbarkeitsstudie zum Herdenschutz durch. Es ging um die Einschätzung, ob und wie Herdenschutz auf den hochalpinen und teils stark frequentierten Tiroler Almen machbar ist. Die Studie ist als Kurz- und Langversion verfügbar.
Auf einem Teil der untersuchten Almen sind Maßnahmen wie Behirtung, gelenkte Weideführung, Zäune, Pferche oder Hunde zum Schutz der Schafherden vor Wölfen machbar. Herdenschutz ist grundsätzlich auch möglich, wenn sie touristisch genutzt werden. Der Aufwand und die Herausforderungen steigen dabei jedoch in der Regel.
Auf einem anderen Teil der Almen sind Herdenschutzmaßnahmen auf Basis der momentanen Bewirtschaftungspraxis, der Futtergrundlage und der derzeitigen Rahmenbedingungen nicht oder nur mit größeren Veränderungen in der Bewirtschaftung umsetzbar. Gezeigt hat sich, dass jede Alm in der Machbarkeit und Umsetzung des Herdenschutzes sehr spezifisch und einzeln zu betrachten ist. Gemeinsam ist jedoch bei allen bewerteten Almen, dass der Herdenschutz mit einem bedeutenden finanziellen und arbeitstechnischen Mehraufwand verbunden ist.
Almbegehung
Die Machbarkeitsstudie hat zudem gezeigt, dass eine gezielte Weideführung der Schafe in den weitläufigen Almgebieten die Voraussetzung für die spätere Umsetzung konkreter Herdenschutzmaßnahmen ist. Eine gelenkte Beweidung anstatt des freien Weidegangs der Schafe wirkt sich zudem positiv auf die Nutzung der vorhandenen Futterflächen und auf die Biodiversität aus. Bewirtschaftern von Schafalmen, die sich für eine gezielte Weideführung interessieren, bietet das Land Tirol eine Almbegehung mit einem Experten an. Dieser wird vor Ort auch die Machbarkeit von Herdenschutzmaßnahmen einschätzen.
Bei Interesse an einer Begehung Ihrer Schafalm kontaktieren Sie: